Kein Facebook. Ein Versuch.

Ich schrieb bereits in meinem „Geburtstagstext„, dass ich momentan Pro und Contra der privaten Nutzung von Facebook gegenüberstelle. Nur einen Tag nach dem Beitrag entschloss ich mich zu einem Test: 13 Tage ohne Facebook. Brauche ich das Netzwerk? Fehlen mir Informationen wenn ich nicht mehr online bin? Verpasse ich etwas? Wenn ja bleibe ich. Wenn nicht wohl nicht.

Zuerst wollte ich den Selbstversuch als eine Art Tagebuch dokumentieren, entschied mich dann jedoch für die hier vorliegende Zusammenfassung und eine Entscheidung für den heutigen 10. Geburtstag des Netzwerkes. Tagesaktuelle Gedanken und Veränderungen sind dennoch enthalten.

Also: Facebook – Daumen hoch oder runter? 13 Tage #noFB

 

Decision made.

Während meine Freundin den Start der neuen Bachelor-Staffel bestaunte, dachte ich mir: Miste ich mal mein Smartphone aus. Schnell und problemlos löschte ich verschiedene Apps, die ich nie nutze, als mein Daumen plötzlich etwas länger über dem blau umrandeten weißen f schwebte. Wer mich kennt weiß, dass ich schon länger überlege dem Netzwerk den Rücken zu kehren und in meinem Geburtstagstagstext habe ich neben einigen Lobeszeilen auch meine Bedenken geäußert. Ständige (für mich nervende) Werbung, ein völlig wirrer und kaputter Newsfeed, Datenklauberei, wenig Input und noch weniger echter Meinungsaustausch ohne Bashing sowie viel asoziales Verhalten im sozialen Netzwerk lassen mich am privaten Nutzen zweifeln.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Also: Appsymbol gedrückt gehalten und zum deinstallieren nach oben rechts geschoben. Erstes Problem: Facebook ist auf meinem Android-Smartphone eine Standardapp und kann nicht deinstalliert werden. Problem gegoogelt, Lösung gefunden: In den Einstellungen lassen sich Apps und Konten deaktivieren. Done. Jetzt lebe ich also ohne Facebookapp und somit ohne die Möglichkeit ständig nachzuschauen. Gutes Gefühl.

Tag 1 – Zugang erschweren und erste Gedanken.

Vor dem Frühstück mal schnell checken, was meine gut 200 Facebook-Freunde so treiben. NOPE! Nix da. Frühstücken.

Im Anschluss schnell die App auf dem Tablet  deinstallieren, den Link aus der Lesezeichenleiste des Browsers entfernen und „Remember me“ ausstellen. Danach hin zum Wesentlichen: Uni und Klausurvorbereitung. Bisher alles gut, keine Entzugserscheinungen und verpasst habe ich (vermutlich) auch noch nichts. Wir werden sehen.

Tag 1 ist beendet und siehe da: nix passiert und nichts wirklich verpasst. Bis auf eine Meldung. Und die erreichte mich wenig später auch auf Twitter:

Screenshot

Gut. DAS hat nun nicht wirklich zur Meinungsverbesserung gegenüber Facebook beigetragen. Noch mehr Werbung. Auch noch in bewegter Form… Werbung, Werbung und nochmals Geld.

Schließlich stieß ich dann noch auf dieses Fundstück aus der Süddeutschen Zeitung:

Gefällt mir nicht mehr

Was lernt man, wenn man sich bei Facebook abmelden will? Vor allem eins: Facebook versucht das zu verhindern

Demnach ist „Account löschen Facebook“ eine der häufigsten Suchanfragen. Auch am uns Deutschen allerheiligsten Sonntag. DEM Ruhetag! Interessant.

 

Tag 2 – War was?

Aufgestanden, Twitter gecheckt, gefrühstückt, gelernt. Nichts mehr. Kein Gedanke (außer jetzt beim Schreiben) an den blauen Riesen. Dafür beschäftigt mich das Thema Werbung. Gestern also diese Ankündigung der Videowerbung auf Facebook und am Abend dann über das neueste Patent der Firma mit dem angebissenen Apfel gelesen:

Screenshot

Werbung noch personalisierter, Mensch noch gläserner. In meinen Augen gruselig. Aber es gibt genügend Menschen, die diese Penetration benötigen. Ich sollten einen eigenen Blogbeitrag dazu schreiben. Das lasse ich jetzt erstmal so stehen:

Es würde beispielsweise Pulsschlag, Blutdruck, Adrenalinpegel, Schweißaustritt, Körpertemperatur, Stimmlage und Gesichtsausdruck gemessen. Tageszeit und Aufenthaltsort könnten ebenfalls eine Rolle spielen. (ZDNet)

Während des zweiten Tages dann noch eine Schrecksekunde. Der Facebook-Messenger! Er klingelt! Ich habe vergessen ihn zu deinstallieren. Die Nachricht ist beruflich und wichtig. Das muss ich mir für mein Fazit merken.

 

Tag 11. Ich MUSS mich einloggen!

Die Tage vergingen, nichts reizte mich, den blauen Riesen zu betreten. Doch dann geschah es. An Tag 11:

Ich musste Facebook betreten. Aber nicht, weil ich den inneren Drang spürte oder der Sucht nachgeben wollte. Ich wollte mich auf einen möglichen Auftrag vorbereiten und die Fanpage des potentiellen Kunden analysieren. Alle roten Benachrichtigungen außer Acht gelassen, schaute ich mir die Seite an, machte mir Notizen und verschwand nach ein paar Minuten wieder.

 

4.2.2014 – 10 Jahre Facebook.

Heute ist also der große Tag. Facebook hat Geburtstag und damit endet mein #noFB. Doch mit welchem Ergebnis?

Das Fazit fällt gemischt aus. Ich hatte keine Probleme, mich vom blauen Giganten fernzuhalten und hatte auch nie das Gefühl etwas entscheidendes zu verpassen. Und dennoch werde ich dem Netzwerk treu bleiben. Dafür gibt es tatsächlich einen entscheidenden Grund und der Auslöser war: Der Messenger. Er erinnerte mich während des Selbstversuches daran, dass ich mit einigen Menschen nur via Facebook Kontakt halte. Dazu kam dann noch die Erkenntnis von Tag 11. Wenn ich (ein) Unternehmen bzgl. der Aktivitäten im Netz und beraten / unterstützen möchte, komme ich an Facebook nicht vorbei. Momentan. Facebook ist DAS Netzwerk, DAS Tool um Reichweite und Austausch zu generieren. Um es zu verstehen und Aktionen ggf. zu überprüfen, muss ich angemeldet sein. Wer behauptet, es ginge in diesem Bereich auch ohne, liegt falsch. Aber meine Nutzung wird sich ändern.

 

Die App bleibt deaktiviert

Eins merkte ich bereits nach wenigen Stunden: Ohne App ist es einfach besser. Kein ständiges Phubbing, kein „nur mal schnell Facebook checken“ und der Akku scheint auch ein wenig länger zu halten. Die App bleibt also deaktiviert.

Aber auch sonst werde ich mein Nutzungsverhalten ändern. Ich werde Facebook entrümpeln. „Freunde“ kicken, Seiten entlicken, Fotos löschen und die Privatsphäreeinstellungen überprüfen. Das Netzwerk wird weniger Informations- und mehr Kontaktquelle. Also ein (zweites) Kontakt- / Adressbuch. Möglichst ohne Werbung und all das Ablenkende. Und Facebook bekommt weniger Stellenwert im Leben. Einmal am Tag checken reicht auch. Vollkommen.

 

Für mich war #noFB gut. Gut um zu reflektieren, was dieses Netzwerk eigentlich ist, wie ich es nutze und wie ich es nutzen sollte. Ohne Facebook geht es an einigen Stellen tatsächlich nicht. Aber eine Veränderung des Nutzungsverhaltens ist für mich äußerst sinnvoll. Wer also überlegt, dem Netzwerk den Rücken zu kehren: Testet erst einmal!

 

Was sagt ihr? Überlegt ihr euch abzumelden? Oder habt versucht ohne das Netzwerk auszukommen? Wenn ja: Mit welchem Ergebnis?

 

 

Mit Inhalten von: Süddeutsche Zeitung Magazin, ZDNet

Advertisements

2 Gedanken zu “Kein Facebook. Ein Versuch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s