Es geht um unsere Zukunft

In den vergangenen Tagen bin ich immer wieder in off- und online-Diskussionen über die smarte neue Welt geraten oder habe diese explizit angestrebt. Auslöser war dabei meist die Übernahme von WhatsApp durch Facebook. Scheinbar ist dieser Kauf für Nutzer in meinem Umfeld beängstigend und offenbar rückt der Schutz der eigenen Daten ein wenig mehr in den Vordergrund. Gut so!

WhatsApp hatte auch vor der Akquisition durch Facebook so ziemlich alle Rechte auf dem Smartphone, die freigegeben werden können. Kamera, Mikrofon, Kontakte, Alles. Was sich ändert sind quasi die Besitzverhältnisse. Nicht mehr nur eine Gruppe Nerds, die sich vor fünf Jahren vorgenommen hat unsere Kommunikation zu verändern, kann von nun an unsere privaten Nachrichten mitlesen. Auch Facebook kann diese nun auswerten und an Werbetreibende verkaufen. Und diese Tatsache ist schlimm. Grundsätzlich ändert sich jedoch nichts. WhatsApp war auch vorher schon leicht zu hacken und unsere Daten somit schlecht geschützt. Dass Facebook diese nun verwenden kann ändert im Grunde und vorerst nichts. Der Kauf war aber ein Anlass etwas weiter zu denken. Meiner Meinung nach geht es momentan um viel mehr. Es geht um unsere Zukunft.

Auf dem Weg in eine übertechnisierte Welt?

In einigen der Diskussionen der letzten Tage habe ich immer wieder gelesen und gehört, dass es den Menschen egal ist, ob jemand ihre Nachrichten liest, Fotos sieht und so weiter. Das ist ein Graus. Unsere Privatsphäre und der Schutz unserer Daten darf uns einfach nicht egal sein. Wir haben nur dieses eine Leben und egal ob Unternehmen, Staaten u. a. mit meinen Daten etwas anfangen können oder nicht: Es geht sie einfach nichts an. Punkt.

Mir schießen zudem sofort Horror-Szenarien in den Kopf: Menschen, die sich nicht mehr unbeobachtet bewegen können, nicht mehr sagen können was sie wollen, ohne befürchten zu müssen, dass Staaten, Unternehmen und andere Organisationen das Ausgesprochene gegen sie verwenden. Und weiter noch: Gadgets wie Samsung Gear, Google Glass, „always on„-Mikrofone oder auch die Blutzucker-messenden Kontaktlinsen sind wahrscheinlich erst der Anfang einer übertechnisierten Welt. In einer meiner ersten Universitätsvorlesungen im Sommer 2009 fragte der Professor, ob wir uns einen Chip implantieren lassen würden, durch den wir stärker personalisierte Angebote erhalten könnten. Und tatsächlich gab es einige Kommilitonen, die sich das vorstellen konnten. Ich gehörte schon damals nicht dazu. Möglich wird dies in Zukunft sicher und für mich ist diese Vorstellung mehr als erschreckend. Und selbst wenn ich diese Gadgets persönlich nicht nutzen würde: Mein Gegenüber vielleicht. Oder die Dame auf der anderen Straßenseite etc. Abschirmen wird nicht möglich sein.

Im Grunde könnte in Zukunft jeder zu jeder Zeit wissen, wo wir uns wann, warum und mit wem aufhalten. Gruselig.

Privatsphäre vs. Innovation und Komfort?

Viele Innovationen und Entwicklungen können äußerst sinnvoll genutzt werden. Sei es bspw. im Gesundheitsbereich oder einfach nur um das Leben zu erleichtern und Behaglichkeit zu schaffen. Wir müssen uns jedoch immer vor Augen führen, dass vieles eben zu Lasten unserer Privatsphäre und dem Schutz unserer Daten geht und von weniger netten Menschen ausgenutzt werden kann. Mir ist meine Privatsphäre wichtig! Ich möchte nicht überwacht werden. Nicht jetzt und nicht in Zukunft. Und btw: Der Spruch „Denk mal nicht, dass dein Leben für die NSA interessant ist.“ ist ganz großer Humbug. Möglicherweise ist es momentan so. Aber in Zukunft? Oder für andere Organisationen als die NSA? Ganz Sicher.

Das entscheidende Problem ist eben, dass ich nicht wie zu Erichs Zeiten überwacht werden möchte, Google Drive und andere Tools jedoch leider sehr bequem sind und ich momentan nicht darauf verzichten möchte. Und dennoch erwische ich mich momentan immer wieder dabei, darüber nachzudenken was dieses Tool mir tatsächlich bringt und was die jeweilige Entwicklung in ein paar Jahren bedeuten könnte.

Zauberwort: Perspektivisch.

Es gilt also, dass wir als digital natives nicht nur das hier und jetzt betrachten sollten. Es geht um die Zukunft. Um unsere Zukunft. Ein kurzes Beispiel aus einer Diskussion auf GooglePlus: Es ging im Grunde auch um Google Glass und das wichtige Thema Datenschutz und Urheberrecht. Es wurde mit folgendem Satz argumentiert: „Also bitte, wie soll das möglich sein mit Google Glass einen Kinofilm aufzunehmen?“ Heute ist dies vielleicht noch nicht möglich. In einigen Jahren jedoch wird dies ein ernstzunehmendes und zu lösendes Problem sein.

Jede neue Entwicklung einfach hinnehmen und unreflektiert als Fortschritt akzeptieren wäre fahrlässig und könnte uns in eine unsichere Zukunft führen. Logisch: Nicht alles ist schlecht. Hinterfragen muss jedoch erlaubt sein. Und dazu gehören auch Firmenübernahmen, die zu einer gewissen Zentralisierung des Internets führen. Facebooks 19 Milliarden-Kauf hat definitiv einen faden Beigeschmack und regt scheinbar mehr Menschen an, über das Netz und dessen Entwicklung nachzudenken. Gut so!

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