NaSowAs – Wir waren da wohl etwas blauäugig

Dank der Brandrede von Sascha Lobo auf der diesjährigen re:publica (ich bin jetzt nicht gerade sein größter Fan, er liegt mit seiner Einschätzung jedoch richtig), habe auch ich mich wieder ein wenig mit dem Angriff der NSA auseinandergesetzt und komme zu dem Schluss, dass wir wohl etwas blauäugig waren.

Wir hätten es wissen müssen!

Das lässt sich im Nachhinein natürlich immer leicht sagen. Aber irgendwie ist es tatsächlich so. Nur zu gerne nutzen wir alle Möglichkeiten, die seit dem Aufkommen des Internets entstanden sind, zur ausgedehnten Kommunikation und Dokumentation unseres Lebens. Global, schnell und unkompliziert. Toll! Und irgendwie war uns auch klar, dass Unternehmen mit unseren Daten Geld verdienen. Dass Staaten ebendiese für ihre Zwecke einsetzen und uns zu gläserneren Bürgern umgestalten könnten, daran haben wir nicht gedacht. Komisch. Besonders verwundert bin ich, dass Menschen wie Herr Lobo, also Personen des Internets, Leute die sich seit viele vielen Jahren mit dem Netz und allem drumherum beschäftigen, nun so überrascht wurden. Scheinbar waren sie, scheinbar waren wir alle sehr naiv zu denken, dass sich Nationen diese Möglichkeit der Spionage entgehen lassen. Gerade wir in Ostdeutschland hätten es irgendwie besser wissen können. Aber noch ist es nicht zu spät. Im Gegenteil. Jetzt sind wir gewarnt.

Es liegt in unserer Hand.

Seit einigen Monaten ist es nun Gewissheit: Wir wurden und werden in großem Stil abgehört und durchleuchtet. Neben dem ständigen, persönlichen Hinterfragen der Notwendigkeit genutzter Tools und Apps, ist unser Aufschrei entscheidend. Und wie Lobo in seiner Keynote feststellt, ist es tatsächlich erschreckend, wie schnell unser Ärger und Protest abgeebt ist. Hagelte es anfangs noch sekündlich Kritik an den Methoden der NSA (u. a.) und dem Verhalten unserer Regierung, ist davon heute nicht mehr viel zu lesen. Und dabei hätten wir gerade in Bezug auf unsere eigenen Politiker allen Grund uns aufzuregen. Schließlich schüchtert die Bundesregierung auf Basis eines Gutachtens einer US-amerikanischen (!!) Kanzlei den Untersuchungsausschuss „NSA“ kräftig ein. Nachzulesen auf netzpolitik.org. Das ist schier unglaublich.

Wir – „die Netzgemeinde“, Internetuser und letztlich alle Bürger – müssen einen neuen, einen organisierten und vor allem andauernden Protest starten und für unsere Rechte einstehen. Ein generelles Ausspähen und/ oder Speichern aller unserer Daten kann nicht rechtens sein. Auch nicht aus sicherheitspolitischen Gründen.

Um unser Anliegen durchzusetzen, müssen wir in die Politik. Es geht nicht anders.

Leider stammen unsere machthabenden Politiker aus einer Generation, die eben nicht mit dem Internet und einer digitalen Omnipräsenz aufgewachsen ist. Abgesehen von ihrer ignoranten Haltung wissen einige von ihnen also tatsächlich nicht, wie sie mit der jetzigen Situation umgehen sollen und was „die Netzgemeinde“ fordert und welche Regeln eine vernetzte Welt verlangt. Es ist also unsere Aufgabe es ihnen zu erklären. Sachlich, fair und auf Augenhöhe. Immer und immer wieder. Wir dürfen nicht vergessen:

Ohne uns sieht Politik alt aus.

 

Für alle, die es bisher nicht geschafft haben: Hier die wirklich inspirierende „Rede zur Lage der Nation“ von Sascha Lobo zur re:publica 2014:

 

Was ist deine Ansicht? Schreib sie gerne als Kommentar!

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4 Gedanken zu “NaSowAs – Wir waren da wohl etwas blauäugig

    1. Danke für deinen Kommentar, Torsten. Ich konnte deinen Beitrag nun zwischenzeitlich lesen. Und was soll ich sagen: Du argumentierst schlüssig. Was uns unterschiedet ist die generelle Einstellung zur Spionage. Meiner Meinung nach ist es eben ein Unterschied, ob sich Staaten gegenseitig ausspionieren oder auch der normale Bürger / Internetuser von oben bis unten durchleuchtet wird. Und zwar allumfassend, rund um die Uhr und unwissentlich. Das ist im Grunde eine Lebenseinstellung: Toleriert man, irgendwann als gläserner Mensch umherzulaufen und seine Meinung nicht mehr frei äußern zu können oder eben nicht. Und ich zähle mich zu Zweiterem. Gerade die auch von dir angesprochene Stasi und der Machtapparat dahinter hat ja gezeigt, wohin Spionage führen kann. Für mich ist das menschenverachtend.

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  1. Wie ich es mitbekommen habe, war vielen klar, dass wir überwacht werden. Was allerdings, und das ist Lobos viel zitierte Aussage, uns alle überrascht hat, ist der unfuckingfassbare Umfang und Werkzeuge der Überwachung. Wo ich leider auch zustimmen muss, ist die fehlende finanzielle Unterstützung. Anscheinend ist uns das Netz in der Hinsicht nicht sonderlich viel Wert. Von daher hab ich gleich mal ein Flattr Account angelegt und Netzpolitk unterstützt 😛

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    1. Danke dir. Mir war das nicht so bewusst, dass es vielen klar war. Und irgendwie macht es das nicht besser – da hätten man dann eher drauf aufmerksam machen müssen. Aber gut, so ist es nun. Die finanzielle Unterstützung sehe ich absolut genauso. So richtig bin ich mir jedoch noch nicht schlüssig, wo ebendiese am sinnvollsten wäre. Da ist noch ein wenig Recherchearbeit nötig.

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