Wie Facebook meinen Geburtstag vergaß

Oder warum das soziale Netzwerk doch essentiell sein kann.

Okay, die Überschrift ist etwas reißerisch. Geburtstag hatte ich wirklich: Am 30.06. Vermutlich weiß Facebook jedoch mehr als mir lieb ist über meinen Geburtstag und mein Leben. Aber einen Unterschied gab es dann trotzdem zu den vergangenen Jahren. Was genau? Lest selbst:

fb_Bloons

Ich nutze Facebook seit meinem Selbstversuch komplett darauf zu verzichten vor einem Jahr irgendwie anders. V.a weniger intensiv und gerade in Zeiten von Pegida, Butz Lachmann und anderem derartigen M*** auch gerne um über einen Teil der deutschen Bevölkerung hemmungslos den Kopf zu schütteln. Nach meinem damaligen Test wurde schnell die App vom Handy gelöscht und v.a. die Zahl der Freunde heruntergeschraubt. Von damals gut 400 auf jetzt noch 205. Immer noch sehr viele Menschen, aber: Alle 205 kenne ich wirklich persönlich, habe schon (z.T. sehr intensive) Gespräche geführt und das Wichtigste: Alle diese 205 Menschen mag ich. Auf die eine oder andere Art, aber ich mag sie und sie sind mir irgendwie wichtig. Zumindest wichtig genug, um sie nicht der gefürchteten 2-Klick-Entfreundung zum Opfer fallen zu lassen. Neue Freundschaftsanfragen werden auch nur dann gestellt/ positiv beantwortet, wenn eines der Kriterien „mag ich irgendwie“ oder „ist mir irgendwie wichtig“ erfüllt ist.

Zu meinem Geburtstag vor zwei Tagen habe ich dann mal einen Test gewagt, den vermutlich viele von euch schon durchgeführt haben: Ich habe mein Geburtsdatum vor allen Freunden und der Öffentlichkeit versteckt.
WHAT???!

Na, wer hat dran gedacht?

Genau das war die eigentliche Frage hinter dem „Experiment“. Wer denkt auch ohne Facebook an (m)einen Geburtstag? Die Familie lasse ich mal außen vor – wenn die ohne soziale Netzwerke nicht mehr daran denken würden, dann müsste ich mir ernsthaft Sorgen machen. Das Ergebnis des Versuchs war irgendwie absehbar aber dennoch spannend:

Alle langjährigen Freunde, die ich teilweise schon seit mehr als der Hälfte meines Lebens kenne wie auch viele gute Freunde und Bekannte aus den vergangenen Jahren haben mit gratuliert. Persönlich, via Anruf oder Whatsapp. Viel mehr dann aber auch nicht. Kein einziger (!!!!einseinsdrölf) Pinnwand-Eintrag und nur wenige Direktnachrichten. Und das war verdammt gut so.

Ja, ich habe mich in den vergangenen Jahren auch über Pinnwand-Einträge und Facebook-Messages gefreut. Aber wir kennen das alle: Meist sind das unkreative und unpersönliche „Alles Gute und lass es ordentlich krachen“-Sprüche, die innerhalb einer Sekunde geschrieben und mindestens genauso schnell wieder vergessen sind. Schön, dass die Facebook-Erinnerung nicht weggeklickt werden und man sich die Sekunden Zeit nimmt. Ja! Aber: so richtig von Herzen kommt das – in meinen Augen – dann eben nicht.

Mitten im Leben

Facebook ist, und das wollte ich zeigen, tatsächlich ein ganz entscheidender Teil unseres Lebens geworden. Wir (ich eingeschlossen) verlassen uns auf das Netzwerk, auf die Informationen die darüber gestreut werden und vergessen hier und da das echte Leben, die wahren Freunde und auch, wie sehr wir uns selbst über liebe Anrufe an unserem Geburtstag freuen. Gerade weil wir uns alle so über eine persönliche Gratulation freuen, sollten wir versuchen, dieses Gefühl auch unserem Gegenüber zu vermitteln.

Meine Einstellung zum Netzwerk bestätigt

Facebook ist und bleibt für mich nur ein ergänzendes Tool für das reale Netzwerk. Ein Adressbuch für alle, mit denen ich irgendwie in Kontakt bleiben möchte. Nicht mehr. Die Menschen, die mir so richtig, so essentiell, so „bitte bleibt Teil meines Lebens“ am Herzen liegen, spüren das auf anderen Wegen. Vielleicht nicht 365 Tage im Jahr oder auch nicht jede Woche. Aber immer wieder und einmal im Jahr auf jeden Fall: An ihrem Geburtstag. Denn das Datum ist online im Google-Kontakt hinterlegt und ganz klassisch auch offline in zwei (!) Kalendern.

Auch ich lasse mich gerne an Geburtstage erinnern, auch von sozialen Netzwerken und auch ich schreibe Gratulationen über Facebook. Jedoch nie auf Pinnwände und immer versuche ich mir etwas kreatives einfallen zu lassen oder lasse es komplett, wenn es mir nicht wichtig genug erscheint. Liegt mir jedoch eine Telefonnummer vor, schreibe ich mindestens oder rufe an. Geburtstage sind etwas persönliches und Facebook ist mir nicht persönlich genug. Das mögt ihr jetzt anders sehen, für mich sind einzeilige Pinnwand-Einträge jedoch nicht gewinnbringend 🙂

Es ist schon alles gut, so wie es ist

Das Geburtsdatum bleibt ausgeschaltet. Wow! Was für eine Entscheidung.

Ich hatte einen fantastischen Geburtstag! Tolle Menschen, die mir auf Arbeit einen schönen Tag mit vielen Lachern bereitet haben und eine noch tollere Familie, mit der ich einen wundervollen Sommerabend verbringen konnte. Und dazu eben viele sehr persönliche Glückwünsche. Danke!

Ich nehme es niemandem krumm, dass er/ sie nicht an meinen Geburtstag gedacht hat. So wichtig nehme ich mich dann doch nicht… 😉 Und ich vergesse Geburtstage (außer die weiter oben beschriebenen) auch gerne selbst mal.

Insofern: Nehmt Facebook bitte nicht zu ernst und alles ist gut, so wie es ist ❤

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Ein Gedanke zu “Wie Facebook meinen Geburtstag vergaß

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