Über 12 Monate leben wir nun mit und in der Coronapandemie. Unser aller Leben ist nicht mehr, wie es noch im Januar 2020 war und auch als Gesellschaft haben wir uns verändert. Nach über einem Jahr Pandemie möchte ich meine Wünsche an unsere zukünftige Gesellschaft loswerden.

Zwischen meinen ersten Gesprächen mit dem Tenor „Alle reden nur noch von Corona. Das nervt. Wird schon nicht so schlimm sein.“ bis zum jetzigen „Ja. Ich bleibe im Homeoffice und ja, mir fehlen die Treffen auch“ liegen gerade einmal 15 Monate. Etwas mehr als ein Jahr. Eigentlich gar nicht viel. Aber verändert hat sich in dieser Zeit dann doch recht viel. Einiges ist deutlich sichtbar: Wir tragen Masken (Mund-Nasen-Bedeckungen; medizinisch, FFP2), wir halten Abstand (immer mit Einkaufswagen und immer mit Bogen um andere Personen auf der Straße) und wir treffen uns nicht mehr in großen Gruppen. Anderes ist weniger schnell erkennbar: Wir denken digital. Wir sehen und respektieren uns mehr. Wir verbinden uns auf anderen Ebenen und wir haben die Augen geöffnet für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Hm.

Ok. Das ist teilweise Wunschdenken. Aber der Reihe nach.

Die Zeit „danach“ – sie wird kommen

Seit über einem Jahr erkranken auf der ganzen Welt Menschen am Coronavirus. Viele – nach aktuellem Kenntnisstand vorrangig ältere und/ oder vorerkrankte Menschen – sterben. Ein Ende der Pandemie scheint nun – nach der dritten Welle und dem Fortschreiten der Impfkampagne – irgendwie greifbar. Soweit wir von einem Ende sprechen können. Denn mit dem Virus werden wir leben müssen. Die Frage wird sein: Wie schlimm wird es werden? Zu 100% auslöschen werden wir das Virus sicher nicht – wir werden mit der Gefahr, die von ihm ausgeht, leben müssen. Es wird jedoch eine Zeit nach der Pandemie geben. Eine Zeit, in der wir einigermaßen zur „Normalität“ zurückfinden und die großen Einschränkungen nur noch ein Teil unserer Erinnerung sind. Und jetzt bereits an diese Zeit zu denken – das ist nicht nur Balsam für die Seele, es hilft auch, das eigene Handeln zu reflektieren und sich vorzustellen, wie diese „Zeit danach“ aussehen kann und vor allem, wie wir sie selbst gestalten können. Denn wir als Gesellschaft, jede:r von uns kann diese Zeit danach beeinflussen.

Ich habe klare Wünsche

Ich habe klare Hoffnungen und Wünsche an uns als Gesellschaft, die ich im folgenden – ohne jegliche Wertung und Gewichtung – beschreibe.

1. Wir behalten Hygienemaßnahmen bei.

Allgemeine Hygieneregeln wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen oder auch die Hustenetikette können wir bitte gerne ebenso beibehalten wie den Abstand und ja, auch die Alltagsmasken auf engem Raum.

Allgemeine Körperhygiene ist eigentlich selbstverständlich, oder? Und ein wenig Abstand halten – zum Beispiel im Supermarkt – tut auch niemandem weh. Und auch das Tragen von Alltagsmasken hat – das lesen wir alle ja immer wieder – neben der Eindämmung des Coronavirus noch weitere positive Wirkungen. So treten zum Beispiel Atemwegserkrankungen weniger häufig auf. Für mich überwiegen die Vorteile klar den „Einschränkungen“. Insofern wünsche ich mir, dass wir die Hygienemaßnahmen auch nach der Pandemie beibehalten und Alltagsmasken (sofern gesundheitlich für jede:n einzelne:n möglich) weiterhin akzeptiert und getragen werden.

2. Wir denken digital.

„Bitte zahlen Sie wenn möglich bargeldlos.“ Ich liebe es, diesen Satz zu lesen. Ein kleiner Schritt für jede:n, ein großer für uns Deutsche. Und nicht nur „die Deutschen“ – alle Europäer:innen greifen immer weniger zum Bargeld.

„Der Trend in Richtung bargeldloses Bezahlen scheint sich während der Pandemie beschleunigt zu haben, […]“

EZB-Direktor Fabio Panetta, gefunden auf https://www.faz.net/aktuell/finanzen/ezb-studie-in-der-corona-krise-wird-weniger-bar-bezahlt-17081062.html

Ein Trend, den ich stark befürworte und der auch in meinen ersten Wunsch (Achtung!) einzahlt! Bargeld ist teuer in der Herstellung und langsam sowie unhygienisch in der Anwendung. #ProTipp: Um den Überblick über alle Ausgaben zu behalten, gibt es sehr gute Apps – also keine Panik vor unüberschaubaren Kaufrauschen.

Auch das Thema Homeoffice ist nun endlich in der Breite der Gesellschaft angekommen – zumindest thematisch. Von der Umsetzung sprechen wir dann teilweise wohl erst in 12 bis 36 Monaten… Sehen wir es jedoch bitte positiv: Viele smarte Unternehmer:innen haben verstanden, dass Homeoffice (oder auch „mobiles Arbeiten“) nicht gleichzusetzen ist mit Führungs- oder Kontrollverlust. Es gibt Mitarbeiter:innen vielmehr die Freiheit und Möglichkeit, die oft angepriesene Work-Life-Balance wirklich ins Gleichgewicht zu bringen. Pendler:innen werden entlastet, Stress kann reduziert werden und mit klarer Struktur sowie gegenseitigem Vertrauen und Verständnis ist Arbeit von zuhause auch produktiv. Um jedoch so richtig, richtig produktiv zu sein, benötigt es digitalen Zugang: Mobile Geräte, stabiles Internet, gute VPN-Lösungen und auch: digitales Denken. Oft auch im Kleinen. Wie gestalten wir Unterschriften sicher? Wie funktionieren Freigabeprozesse? Wie arbeiten Homeoffice-Mitarbeiter:innen mit dem Außendienst zusammen? Für viele Herausforderungen gibt es digitale Lösungen – es muss nur jemanden geben, der/die sie in Angriff nimmt. Und nur der Vollständigkeit halber: Ich freue mich auch auf Bürotage mit meinen Kolleg:innen. Sehr sogar. Und ich bin der Meinung, dass in meiner Tätigkeit und Teamstruktur mehr Bürotage als Homeoffice-Tage nötig sein werden. Ich freue mich jedoch darüber, dass das Thema Homeoffice nun in aller Munde ist und ausprobiert werden muss.

Und da sind wir beim Punkt: Denkt bitte (auch) digital! Die Pandemie zeigt: Physische Güter sind nicht immer verfügbar, können wegbrechen. Auch physische Treffen sind nicht immer möglich. Digitalität hilft hier, neue Wege zu finden. Sei es im direkten Austausch (wir alle erinnern uns an den Hype, den Zoom im ersten Lockdown erlebte) oder eben auch im Bereich Produkte und Dienstleistungen. Plötzlich ist es normal, dass Speisekarten mittels QR-Code abgerufen werden, Bäckereien auch einen Onlineshop betreiben und bargeldloses Bezahlen anbieten oder klassische Restaurants plötzlich in der Lieferando-App auftauchen. Letztgenannte App ist für mich übrigens (bei aller Kontroverse) ein Beispiel guter, nutzer:innenkonzentrierter Digitalität: Nutzer:in „hungriger Mensch“ bestellt, bezahlt und verfolgt seine/ihre Lieferung mit wenigen Touchs. Nutzer:in „Speisenanbieter:in“ erhält eine weit verbreitete Plattform und erweitert so seine/ihre Kundschaft. Win Win. Oder?

Und das ist sicher nur der winzige Teil der möglichen Digitalisierung. Ich sage nicht: Denkt nur noch digital. Ich wünsche mir: Lasst uns bitte auch digital denken.

3. Wir sehen uns mehr.

Viele von uns haben in der Pandemie auch auf diese Fragen Antworten gesucht und hoffentlich auch gefunden: Wer sind unsere echten Freunde? Welchen Kontakt können wir löschen und welchen sollten wir wiederherstellen? Und – so vernehme ich es aus meinem Umfeld – Kontakte wurden intensiviert. Und diese Kontakte – die, die mir wirklich wichtig sind – die habe ich mehr gesehen und mir mehr Zeit genommen. Mittels Videocalls, Fotos oder eben auch an der frischen Luft in kleinen Gruppe. Klar, bei einigen bleib es beim rein digitalen Kontakt (Hallo Erfurt, du fehlst und der Jägi ist schon kalt 🙂). Aber dennoch war der Kontakt da. Und das ist das, was zählt. Und dabei soll es bleiben: Lasst uns bitte den Kontakt zueinander nicht verlieren und uns mehr sehen – digital und physisch.

4. Wir respektieren uns mehr.

Das ist ein ganz entscheidender Punkt. Respekt. Für andere Menschen, andere Leben (-smodelle), andere Berufe, Leidenschaften und Ansichten. Und hier – so mein ganz persönliches Empfinden – haben wir sowohl als Gesellschaft als auch in der Politik noch viel Arbeit vor uns.

Ja, es wurde für Pfleger:innen geklatscht und wir Eltern wurden bedauert. Wie lange hält dies jedoch an?

Ich wünsche mir sehr, sehr, sehr stark, dass wir auch „nach“ Corona noch wissen, dass (medizinisches) (Pflege-) Personal verdammt wichtig ist und unseren höchsten Respekt verdient hat. Und verdammte Axt: Wir müssen über die Bezahlung reden. Deutlich. Da muss etwas passieren.

Ich wünsche mir, dass wir „nach“ Corona verstanden haben, dass Kinder unsere Zukunft sind. Dass sie Betreuung und Zuwendung benötigen, dass Bildung ein enorm wichtiges Gut ist, dass Lehrer:innen und Erzieher:innen auch Stützen der Gesellschaft sind, dass Zeit für unsere Kinder dasein muss und dass wir Eltern entlasten müssen (finanziell und bzgl. der Arbeitslast).

Ich wünsche mir, dass wir uns alle „nach“ Corona mit mehr Respekt, Verständnis und Dankbarkeit begegnen.

5. Wir öffnen die Augen für die wirklich wichtigen Dinge.

Zu guter Letzt: Vermutlich haben viele von uns in dieser Pandemie einiges über uns gelernt. Reflektiert, beobachtet und verändert. Lasst uns auch das nicht aus den Augen verlieren. Wir haben nur dieses eine Leben – das wurde uns noch einmal deutlich gezeigt. Lasst es uns gemeinsam sinnstiftend und freundlich füllen. Mit Dingen, die uns wichtig sind, die uns gut tun, die uns erfüllen und gleichzeitig niemandem schaden. Und auch hierbei ist zu bedenken: Jede:r hat andere „wichtige Dinge“. Dass wir das akzeptieren – das wünsche ich mir.

Ich selbst werde wieder mehr experimentieren und kreativ an Dingen arbeiten. In Wort, Bild und Ton. Das ist mein ganz persönlicher Wunsch – für mich selbst. Dafür rückt der eigentliche Job etwas in den Hintergrund. Ich arbeite gerne und auch gerne bei meinem aktuellen Arbeitgeber. Aber es gibt eben auch andere schöne Dinge. Und wenn sich beides nicht optimal verbinden lässt, dann muss das eine mit etwas weniger Zeit zurechtkommen, damit sich das andere entfalten kann.

tl;dr

Ich wünsche mir Hygiene, digitales Denken, mehr wertvollen Kontakt, mehr Respekt und Verständnis und mehr Zeit für wirklich wichtige Dinge.

Und das beste an allem ist: Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand. Gemeinsam schaffen wir das. Jetzt und auch „nach Corona“.

Für die Kommentarspalte

Was sind deine Wünsche an unserer Gesellschaft oder jede:n Einzelnen für die Zeit nach Corona?

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